Donnerstag, 7. Juni 2012

Abschied - ein Versuch

Gestern Abend schaute ich übers Meer. Ein kleines weißes Segelboot zog im letzten Sonnenlicht vorbei und rührte mich zu Tränen. Ich stellte mir vor, Du würdest vielleicht darin sitzen, unterwegs zu Deinem letzten Abenteuer. Es war eine schöne, irgendwie tröstliche Vorstellung und gleichzeitig so anrührend und traurig. Begleitet von zwei Möwen, welche unablässig das kleine Boot umkreisten, wurde es zu einem weißen Punkt im Meer und verschwand langsam am Horizont...

Ja, mir gefällt die Vorstellung, dass Du in diesem weißen Segelboot sitzt und einfach nur zu einem neuem Abenteuer aufgebrochen bist. Eines, dass Dich so gepackt hat, dass Du auf und davon bist, ohne zurückzusehen. Aber fort bist Du nie so ganz. Denn Du hast Spuren hinterlassen. Spuren in den Leben, Gedanken und Herzen der Menschen. In denen von jahrelangen Freunden und Wegbegleitern ebenso wie in denen, die Dir nur kurz begegneten und nur für eine kurze Zeit das Privileg hatten, Dich zu kennen.

Du warst der erste, dem ich hier in Irland begegnete und hast mich sofort bei unserer ersten Begegnung in Deinem Heim und in Deinem Leben aufgenommen. Vom ersten Moment an fühlte ich mich bei Dir willkommen. Ich werde sie nie vergessen, diese erste Begegnung. Neugierig aber nie aufdringlich zeigtest Du Interesse an mir und meinem Leben und hast mich an Deinem sofort teilhaben lassen. Wie einen jahrelangen guten Freund hast Du mich in Dein Haus eingeladen und mich in einem - für mich – magischen Moment mit Deiner Begeisterung für die Musik gefangen genommen und diesen Augenblick in mein Herz gebrannt.

Nun steht die Trommel allein dort und wartet vergeblich darauf, dass Du ihr Rhythmen und Töne entlockst. So wie wir alle wird auch sie begreifen lernen, dass Du nicht mehr da bist. Aber vielleicht hat auch sie Dich – so wie ich – gestern Abend gesehen, in diesem kleinen, weißen Segelboot dort in der Bucht und in dem Moment Abschied von Dir genommen...

Goodbye Bodo, gute Reise...


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